Die Rezeptur macht‘s: Wie Sie die Digitalisierung in der Chemie- und Pharmalogistik vorantreiben

Digitalisierung ist aktuell eines der großen Schlagwörter. Für die Logistik ist das Thema alles andere als neu, denn ohne Digitalisierung wäre ein weltumspannender Warenverkehr kaum mehr möglich.

Was sich jedoch verändert hat ist die Geschwindigkeit, mit der neue Technologien auf den Markt kommen und das Potential haben, nicht nur bestehende Prozesse zu automatisieren, sondern eben Prozesse und ganze Geschäftsmodelle komplett auf den Kopf zu stellen.

Das ist es, um was es aus meiner Sicht bei der Digitalisierung wirklich geht. Das heißt die Frage, wie man die Flut an neuen Technologien kontinuierlich bewerten kann und wie man neue mögliche Prozesse und Geschäftsmodelle frühzeitig erkennt. Wer sich mittels neuer Technologien enger mit seinen Kunden, Dienstleistern und Kooperationspartnern vernetzt und damit neue Dienstleistungen zum Beispiel auch rund um die Logistik für den Kunden kreiert, hat gute Chancen, auch in Zukunft wettbewerbsfähig zu sein.

Verpassen Sie den Anschluss nicht

Viele Unternehmen scheinen allerdings die immense Geschwindigkeit, mit der sich im Zuge der digitalen Transformation ihre Geschäftsmodelle und Unternehmensprozesse verändern, zu unterschätzen. Aktuelle Marktstudien der CAMELOT Management Consultants belegen dies:

Insbesondere die Chemie- und Pharmalogistik ist für den digitalen Wandel ungenügend vorbereitet. Obwohl viele um die Folgen des digitalen Wandels wissen, besteht eine große Umsetzungslücke. Die wenigsten Unternehmen setzen neue Technologien ein, noch treiben sie deren Entwicklung voran. Doch wer auch in Zukunft gut aufgestellt sein will, ist gut beraten, sich schnell und flexibel den Herausforderungen der Digitalisierung zu stellen.

Die Digitalisierung bringt neue Lösungen

In der Pharmalogistik fokussieren sich die Digitalisierungsbestrebungen aktuell vor allem auf das Tracking & Tracing. Neue regulatorische Anforderungen an Transporte (GDP) haben den Bedarf an Rückverfolgbarkeit sowohl der Transporte als auch der Temperaturkontrollen während der Transporte erhöht. Mit Hilfe smarter Technologien sowie zentraler Cloud-Plattformen lassen sich diese Anforderungen besser und umfassender erfüllen. Neben Track & Trace ist die Serialisierung ein Thema, mit dem sich die Pharmalogistik parallel sehr stark beschäftigt. Zu beobachten ist, dass viele Pharmaunternehmen Projekte zu Track & Trace und Serialisierung unabhängig voneinander und mit unterschiedlichen Projektorganisationen angehen.

Viele Pharmaunternehmen prüfen im Moment zudem die Möglichkeit, mit einer zentralen Supply Chain-Überwachungsorganisation („Control Tower“) und entsprechenden IT Lösungen, neben der dem reinen Schaffen von Transparenz, die proaktive Kontrolle über die Transporte und Supply Chain-Ausführung noch weiter zu erhöhen.

Die Digitalisierung bietet große Potenziale, diese Themengebiete stärker zu verschmelzen und damit entscheidende Synergieeffekte zu erzielen.

Der Service in der Logistik macht den Unterschied

Langfristig sollten Pharmaunternehmen die Digitalisierung jedoch dafür nutzen, um ihren Kunden neben den reinen Produkten mit ihren digitalisierten Supply Chains Logistikstrukturen neue Dienstleistungen anbieten zu können und die Kundenbindung damit zu erhöhen Die Einsatzmöglichkeiten solcher Services sind vielfältig. Sie reichen von unterstützenden medizinischen Geräten wie Dosierhilfen und Apps für die Wunddokumentation über gezielte Patientenprogramme bis hin zu neuen, komfortablen Bestell- und Lieferoptionen.

Der Kreis schließt sich: Services liefern den entscheidenden Mehrwert

Chemielogistik auf dem digitalen Prüfstand

In der Chemielogistik lassen sich ähnliche Entwicklungen für kurz- und mittelfristige Digitalisierungsschwerpunkte beobachten. Neben der Erhöhung der Transparenz der Lieferketten spielen in der Chemielogistik im Moment insbesondere das aktive Management und Optimierung der Transporte, sowie die Abwicklung auf den eigenen Logistiksites (Yard Management) eine zusätzliche wichtige Rolle. Wir sind uns dabei längst einig, dass neue digitale Technologien wie verbesserte Optimierungs-Engines, Apps oder GPS-gestützte Transportmanagement-Systeme, Abläufe auf großen Werksarealen sowie Transportprozesse weiter verbessern und individualisieren können.

Auch hier ist die Frage, wie man den Kunden mit diesen digitalisierten Supply Chain- & Logistikstrukturen zusätzliche Mehrwerte und umfassende Dienstleistungen bieten kann.

3D-Druck eröffnet neue Geschäftsmodelle für Chemieunternehmen

Zu den Themen, die die Chemie gegenwärtig bewegen, zählt auch der 3D-Druck. Die Möglichkeit, Produkte ganz anders herzustellen, bedeutet neue Anforderungen an Materialen. Dies wiederum bietet Chemieunternehmen die Chance, sich zukünftig mit neuen Geschäftsmodellen und Produkt- sowie Dienstleistungsangeboten zu positionieren.

Da 3D-Druck eine dezentrale on-demand-Produktion einfacher ermöglicht, wird der Einzug dieser Technologie die Supply Chains und Logistik der Unternehmen ebenfalls massiv verändern. Produkte werden künftig verstärkt lokal und erst bei Nachfrage gedruckt, wodurch sich beispielsweise Lagerbestände und -kapazitäten signifikant reduzieren ließen.

Die Devise lautet: Am Ball bleiben

Diese Beispiele zeigen, wie stark die Digitalisierung die Pharma- und Chemielogistik verändern kann und wird. Nutzen Sie die Chance, mit neuen Technologien neue Geschäftsmodelle und Prozesse zu etablieren. Bleiben Sie am Ball und gestalten Sie den digitalen Wandel mit. Die richtige Rezeptur macht‘s möglich.

written by
Andreas Gmür
Andreas Gmürs berufliche Leidenschaft gilt der Logistik. Als Partner verantwortet er das Logistik-Beratungsgeschäft bei CAMELOT Management Consultants. Seit vielen Jahren berät er Unternehmen vor allem aus der Chemie-, Pharma- und Logistikbranche mit innovativen Logistik-Strategien und –Konzepten. Andreas Gmür ist Autor zahlreicher Trendstudien im Logistik-Umfeld und ein gefragter Keynote-Speaker bei Branchenveranstaltungen.

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